Mittwoch, 5. April 2017

Auf den alten Pfaden...Heidnische Heimatkunde

Trotz vieler Arbeit auf dem Hof, oder gerade deshalb, haben wir uns fest vorgenommen, ab jetzt  die Montage ganz frei zu nehmen, um mal wieder diese wunderschönen Ort, an der wir leben, zu erkunden…
 

Im Landkreis Cuxhaven, nicht weit von uns, dort sind weit mehr als zehntausend Denkmale und Fundstellen bekannt, die die Anwesenheit des Menschen und seiner Ansiedlungen seit der Altsteinzeit bezeugen.
Kult Orte, Gräber, ja Kraftorte, fast vergessen, wenig besucht….


Es handelt es sich dabei um Wallanlagen aus verschiedenen Zeiten oder auch um Grabanlagen Großsteingräber und Grabhügel der Jungsteinzeit des 3./2. Jahrtausends v. Chr. und der Bronze- und Eisenzeit des 2. und 1. Jahrtausends v. Chr.
Diese Plätze bieten die Möglichkeit an authentischem Orten, unsere heidnische Vergangenheit zu erfahren und auch für mich zu erfühlen. Diese alten Geister auf sich wirken zu lassen, zuzulassen, das sie uns Geschichten erzählen aus einer längst vergessenen Zeit…..


Eine solche Dichte, wie dort, von bedeutenden (Boden-)Denkmalen wird man in Norddeutschland kaum noch einmal finden, zumal die befestigten Anlagen, die wir besucht haben, sie nennen sich „Heidenschanze“ und „Heidenstadt“ in Norddeutschland einzigartig sind. Ich meine der Name „Heidenstadt“ alleine, ist ja schon einen Ausflug dahin wert….

Auf dem gekennzeichneten Rundweg von rund 4 km Länge erwartet den Besucher ein Querschnitt durch die Vor- und Frühgeschichte Norddeutschlands. In ca. 1 1/2 bis 2 Stunden kann man die mehr als 4000-jährige Besiedlung des Elbe-Weser-Dreiecks an unersetzbaren Denkmalen erfahren.


Die sogenannte „Pipinsburg“ gehört zu den herausragenden Denkmalen im Landkreis Cuxhaven, zumal sie im Gelände noch gut sichtbar ist. Die Burg liegt am Nordufer der Sievener Aue, auf der Westspitze einer schmalen Geestzunge. 

Auf einer Hoch Heide gelegen, ragt sie quasi aus der Landschaft heraus und da wir dort oben ganz alleine waren, fühlten wir uns auf dem Areal dort sehr wohl. Seltsam, denn gerade dort oben hätten wir mehr Wind erwartet, das Gegenteil war der Fall. Windstille und die Sonne brannte fast schon. Knorrige und verdrehte Bäume und eine Aussicht rund um, erwarteten uns. 


Noch heute umschließt ein bis zu 6 m hoher Ringwall eine Fläche von rund 60 m im Durchmesser. Das Vorgelände des Geestspornes ist zusätzlich durch Wall und Graben abgesichert, so dass man hier von einer Vor Burg sprechen kann.

Keramikfunde von der Burganlage und der Fund einer goldenen Buckelspange mit 3 Silbermünzen aus der Zeit Ottos III. (983-1002) datieren die erste Erbauung einer Burganlage in die Zeit um 1000/frühes 11. Jahrhundert. Wahrscheinlich scheint, das aber schon früher Menschen diesen Platz besiedelten.


Dieser Ort lag damals, wie heute, an einer Handelsstraße. So ist das höchste Areal der Burg leider durch den Straßenlärm ein wenig beeinträchtigt, ich habe aber schon schlimmeres erlebt. Aber umso mehr man sich von der eigentlichen Burg entfernt und Richtung Gräberfelder wandert, umso ruhiger wird es.


Unsere Wanderung führt, gekennzeichnet, durch Rote Pfeile, vorbei an Grabhügeln der älteren und jüngeren Bronzezeit (15. - 7. Jahrhundert v. Chr.). Bis zu den Ringwällen „Heidenschanze“ und „Heidenstadt“.

Hier könnte man sich einen ganzen Tag aufhalten. So umfassend und groß ist der Bereich dieses Anlangen. Spannend allemal, man entdeckt zwischen den Bäumen sehr oft neue Hügel, Aufschüttungen und mehr. 


Die Ringwallanlage „Heidenschanze“ stammt aus der Zeit zwischen 50 v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. Sie wird durch einen Innenwall gebildet, der eine Fläche von rund 1 ha umschließt.
Der im Nordwesten durch einen driften Wall verstärkte Außenring umfasst insgesamt etwa 10 ha. 


Die „Heidenschanze“ liegt am Schnittpunkt eines Land- und eines Wasserweges.  Die „Heidenstadt“ ist ebenso wie die „Heidenschanze“ eine Ringwallanlage, die allerdings eine Größe von ehemals 220 m x 180 m im Durchmesser aufweist.
Der rund 8 m breite Wall besaß ehemals nach außen hin eine vorgesetzte Palisade, außerhalb verliefen zwei kleine Gräben. Der Ausgräber Schuchhardt hielt wohl die „Schanze“, wie auch die „Heidenstadt“ für eine sächsische Volksburg. Heute kann die Gesamtanlage in ihrer frühesten Phase bereits in die zweite Hälfte des 1. Jh. v. Chr. Geb. und in das 1. Jh. n. Chr. datiert werden, ist also zur selben Zeit angelegt und besiedelt gewesen die „Heidenschanze“. 



Das sogenannte „Bülzenbett“ ist eine der monumentalen Grabanlagen, die der ältesten bäuerlichen Kultur im norddeutschen Flachland, der Trichterbecherkultur, zugeschrieben werden kann (2. Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr.)
Die erhaltene Grabkammer besteht aus neun Tragsteinen (ehemals zehn) und drei Decksteinen. Der mittlere Deckstein ist gesprengt und teilweise in den Innenraum gestürzt. 



Einzelne Scherben, die heute im Museum Burg Bederkesa des Landkreises Cuxhaven aufbewahrt werden, zeigen, dass diese Grabanlage nicht nur den Erbauern, den Leuten der Trichterbecherkultur, als Bestattungsplatz gedient hat.
Es findet sich im keramischen Fundstoff ebenso der Hinweis darauf, dass eine der nachfolgenden jungsteinzeitlichen Kulturen, die Leute der Glockenbecherkultur, dieses Grab weiterbenutzt haben. 


Wir hatten das Glück die ganze Wanderung keinen Menschen zu begegnen und konnten die abwechslungsreiche Landschaft und die alten Strömungen gut spüren. Die Heidenstadt und die Schanze sind in jedem Fall noch mal einen ausführlicheren Besuch wert!

Quellen und weiterführende Links:

1 Kommentar:

  1. Liebe Minerva,
    oh so faszinierend,
    hab Dank für die Eindrücke und Fotos. Freufreufreu....
    Gestern waren wir an einer Quelle, nicht mal tausend Meter entfernt die Fläche mit den Hügelgräbern, stand am Wegesrand (Butterstrasse), sah die Veilchen, und dachte, ein Wald vor uns voller verborgener Artefakte, voller ehemaliger Bewegungen...geliebt, gelebt, gestorben...der Menschen vor uns... so einiges ist bekannt,
    aber vieles kann man nur erspüren,
    und er-ahnen, aufleben lassen.
    herzlichste Grüße flattern zu Dir/Euch nach Norden
    Brigitte

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